die Koordinierungsstelle für Demokratieentwicklung Marzahn-Hellersdorf lädt zum Jahresende zu einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe ein. Gemeinsam möchten wir den Blick auf ein bislang wenig beachtetes Thema in der Diskussion um die DDR richten:
Wie stand es um die staatlich verordnete Gleichstellung auf der einen Seite – und um die tatsächliche Rolle der Frau im „Realsozialismus“ auf der anderen?
Für viele Menschen in den Berliner Ostbezirken ist die Erfahrung, in der DDR gelebt zu haben, ein wichtiges Identitätsmerkmal. Jedoch beschränkt sich die Diskussion über die DDR oft auf Umbrüche die 1989/90 mit sich brachten und verliert sich oft in einem Schwarz-Weiß- Denken. Gleichzeitig stellen die politischen Verhältnisse in der DDR für jüngere Generationen oft eine Leerstelle dar.
Nicht zuletzt lässt sich ein anhaltendes Interesse an feministischen Bewegungen und Geschlechterfragen beobachten.
Mit dieser Veranstaltungsreihe möchten wir genau hier ansetzen – und haben ihr den Titel gegeben:
Frauen – Feminismus – DDR?!
Wie gleichberechtigt war die DDR wirklich?
Eine Veranstaltungsreihe der Koordinierungsstelle für Demokratieentwicklung Marzahn-Hellersdorf im Kieztreff Kastanie (Kastanienallee 55, 12627 Berlin) über staatlich verordnete Gleichstellung der Geschlechter, feministische Bewegungen und queeres Leben im “real existierenden Sozialismus“.
An folgenden Terminen laden wir Sie herzlich zu diesen Vortrags- und Gesprächsabenden ein:
04.12.2025 – 19-21 Uhr
Die DDR und die »Frauenbefreiung von oben«: Leben und Widerstand von Frauen in Betrieb und Familie
Die DDR ergriff zweifellos Maßnahmen, die die Stellung der Frau in der Gesellschaft verbesserten. Frauen waren selbstverständlicher Teil in den Betrieben, es gab gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Abtreibung war vom 09. März 1972 an legal. War die DDR also eine harmonische und gleichberechtigte Gesellschaft, befreit von der Abwertung der Frau? Insbesondere seit den 1980er-Jahren drangen verstärkt Frauen in Kunst- und Protestgruppen ein. Wogegen sich dieser Protest richtete und wie der Widerstand von Frauen konkret aussah beleuchtet Jana Günther in ihrem Vortrag.
Prof. Dr. Jana Günther hat Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin studiert und dort promoviert. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen soziale Bewegungen und Protestforschung, soziale Ungleichheit und Armut, Gleichstellungs- und Antidiskriminierungspolitik sowie klassische feministische Theorie. Sie ist Professorin für sozialwissenschaftliche Grundlagen an der Evangelischen Hochschule Darmstadt.
10.12.2025 – 19-21 Uhr
Laut – Mutig – Radikal:
Unabhängige Frauenbewegungen in Ost-Berlin
Gegen Ende der 1970er-Jahre wurden die Widersprüche zwischen der offiziell verkündeten Gleichberechtigung von Seiten der DDR-Politik und den tatsächlichen Verhältnissen von Frauen in der Gesellschaft immer deutlicher. Als Reaktion auf die stagnierende und gar rückschrittliche Frauenpolitik entstand in der DDR eine nichtstaatliche Frauenbewegung, die sich kritisch mit der realen Situation der Frauen im Realsozialismus auseinandersetzte. Am Beispiel Berlins geht es um die unabhängige Frauenbewegung, ihre Akteurinnen, Themen und Netzwerke. Was haben die Frauengruppen unter Feminismus und Emanzipation verstanden? Was bedeutete frauenbewegtes Engagement unter diktatorischen Bedingungen?
Dr. Jessica Bock hat Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Leipzig studiert und mit einem Stipendium der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur promoviert. Sie forscht zu Frauen- und Geschlechtergeschichte, sozialen Bewegungen und gesellschaftlichen Transformationsprozessen in Ostdeutschland. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Digitalen Deutschen Frauenarchiv arbeitet sie zur Sichtbarmachung feministischer Geschichte. Sie ist Autorin der Studie „Kontrollierte Selbstbestimmung. Der Schwangerschaftsabbruch in Sachsen von 1945–1990.“
16.12.2025 – 19-21 Uhr
»Das Mädchen erklärte: Ich bin keine Frau!«
Queere Literatur und schwul-lesbischer Alltag in der DDR
Die rechtliche Situation für Lesben und Schwule unterschied sich in BRD und DDR stark: Der §175 stellte in Deutschland sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe. In der DDR wurde diese Strafverfolgung schon in den 1950er Jahren weitgehend eingestellt und der Paragraph 1968 abgeschafft, während er in der BRD erst 1994 gestrichen wurde. Auch Abtreibung war in der DDR weitgehend straffrei. Trotz dieser fortschrittlicheren Gesetze blieb das Leben von LGBTQI*-Personen dort oft unsichtbar – bis heute. Einen Einblick in ihre Erfahrungen geben literarische Werke wie Brigitte Reimanns Franziska Linkerhand, Ronald M. Schernikaus Kleinstadtnovelle, Irmtraut Morgners Trobadora Beatriz und Maxie Wanders Guten Morgen, du Schöne.
Dr. Franziska Haug hat Kunstpädagogik, Soziologie und Germanistik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main studiert und dort in den Literatur- und Geschlechterwissenschaften promoviert. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in queerer Literatur der DDR, Geschlechterproduktion und Popkultur. Sie ist PostDoc im Projekt Light On! Queer Literatures and Cultures under Socialism an der Universität Regensburg und Mitbegründerin des Kollektivs DiasporaOst.
Alle Informationen zu den Vorträgen finden Sie auch im angefügten Flyer.
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