Koordinierungsstelle Marzahn-Hellersdorf

Ein Kommentar zum erneuten Streit ums Stille Gedenken

Die Ansichten und Handlungsansätze in Bezug auf die Auseinandersetzung mit extremer Rechter und erinnerungspolitische Diskurse sind vielfältig. Es gibt weder ein zivilgesellschaftliches Patentrezept noch laufen diese Prozesse immer fehlerfrei ab. Eine aus Sicht der Koordinierungsstelle für Demokratieentwicklung in dieser Form leider kontraproduktiver Streit um das “Stille Gedenken” hat in den vergangenen Tagen vornehmlich im Internet bzw. in den sozialen Netzwerken stattgefunden. Unserer Meinung nach sollte eine solche Diskussion nicht im Netz, sondern in Form eines gemeinsamen Treffens aller Beteiligten zum Austausch der unterschiedlichen Positionen stattfinden. Insbesondere im bevorstehenden Superwahljahr benötigen wir das Zusammenstehen aller fortschrittlichen zivilgesellschaftlichen Kräfte im Bezirk, um gemeinsam einem möglichen weiteren Erstarken der extremen Rechten entgegenzuwirken und für ein solidarisches und inklusives Miteinander in den Kiezen einzustehen.

Debattenbeiträge und Presseschau:

Der Streit ums Stille Gedenken wird endgültig hässlich (11.08.2020, Tagesspiegel Newsletter Marzahn-Hellersdorf)

Antwort DenkMalTour Parkfriedhof (09.08.2020, Naturfreunde Berlin)

Kein Platz für AfD-Freunde auf dem Parkfriedhof Marzahn (06.08.2020, Beitrag auf “Kein Raum der AfD”)

Wie demokratisch ist die AfD? Protest und Debatte in der BVV

Eine sehr gute und ausführliche Zusammenfassung der Debatten rund um die AfD am vergangenen Donnerstag in der BVV im Freizeiforum Marzahn. Aufgeschrieben von Ingo Salmen für den wöchentlichen Tagesspiegel-Newsletter für Marzahn-Hellersdorf:
 
Die ganze Zerrissenheit der deutschen Gesellschaft hat sich am Donnerstag auf vielfältige Weise und in all ihrer Widersprüchlichkeit in der Bezirksverordnetenversammlung gezeigt. Es gab eine scharfe Debatte um die AfD und die Frage, ob sie den Frieden im Lande gefährdet, ein CDU-Verordneter verkündete seinen Austritt aus Partei und Fraktion, weil ihm die Christdemokraten zu links geworden sind, vor der Tür demonstrierten Antifaschist*innen und warfen der CDU derweil vor, sich nicht klar genug gegen die AfD zu stellen. In dem ganzen Lärm drinnen wie draußen gab es nur ein paar Augenblicke des Innehaltens: als BVV-Vorsteherin Kathrin Henkel (CDU), die ein zentrales Ziel der Antifa-Kritik war, am Beginn der Sitzung zu einer Schweigeminute für die Opfer des rechtsterroristischen Anschlags von Hanau eine Woche zuvor aufrief.
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Rückzug vom „Stillen Gedenken“ | neue Erinnerungsformen gesucht Heimatverein zieht Konsequenzen

“LichtenbergMarzahn+” berichtet:

Marzahn-Hellersdorf. Der Heimatverein Marzahn-Hellersdorf wird künftig das „Stille Gedenken“ zum „Nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus“ nicht mehr mit organisieren. Mit diesem Paukenschlag ging die Jahrespressekonferenz des Vereins am vergangenen Mittwoch, 12. Februar, zu Ende. (Hier die ganze Erklärung auf Facebook)

Heimatverein war Initiator des „Stillen Gedenkens“

Man sah es dem Vereinsvorsitzenden Wolfgang Brauer an, dass ihm diese Entscheidung nicht leicht gefallen ist. Schließlich war der Verein vor 13 Jahren der Intitiator dieser Gedenkveranstaltung auf dem Parkfriedhof in Marzahn. Brauer erinnerte daran, dass die Mitglieder des Heimatvereins die grundlegenden historischen Forschungen auch über die dunkelsten Kapitel der Deutschen und der Berliner Geschichte betrieben haben. Mitglieder des Heimatvereines haben die Geschichte der Zwangsarbeiterlager in Marzahn und Hellersdorf erforscht, haben sich mit dem Widerstand und der Verfolgung von Menschen in den Dörfern in der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt. Daraus wurde die Ausstellung „Heimat – Deine Sterne“ gestaltet.

Schließlich sei auch das Denkmal für die Opfer der Zwangsarbeit auf dem Parkfriedhof durch die Initiative des Vereins entstanden. Er habe damals Spenden gesammelt, damit dieses Denkmal gegossen werden konnte. Am 27. Januar 2007 fand zum ersten Mal das „Stille Gedenken“ statt.

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Siehe auch:

“Stilles Gedenken” künftig ohne Heimatverein (Die Hellersdorfer, 13.2.2020)

Irritationen um Erinnerungskultur (LichtenbergMarzahn+, 27.02.2020)