Koordinierungsstelle Marzahn-Hellersdorf

Soziale Stadtentwicklung: Gelbes Viertel unter Beobachtung – Wo die Armut wohnt

LichtenbergMarzahn+ berichtet:

Hellersdorf. Gegenüber von Mäc-Geiz sitzen zwei Männer mit Bierflaschen in den Händen auf einer Bank, 1,50 Meter Corona-Abstand zwischen sich. Eine Frau schiebt einen alten Mann im Rollstuhl, eine Mutter mit Kind schleppt schwere Einkaufstüten. Vor der Tür des seit 2014 geschlossenen “Haus der Gesundheit” an der Etkar-André-Straße steht ein vietnamesischer Zigarettenhändler. Obwohl er an der frischen Luft ist, trägt er einen Mund-Nasenschutz. Eine Momentaufnahme an einem Vormittag im Gelben Viertel von Hellersdorf.

Kiez ist abgerutscht

Das Wohngebiet zwischen den U-Bahnhöfen Kienberg und Cottbusser Platz sowie der Carola-Neher-Straße ist abgerutscht. Nach den Daten des Monitorings Soziale Stadt 2019 gehört der Kiez nun zu den 42 Vierteln in Berlin, die als Gebiete ausgewiesen werden, die besonderer Aufmerksamkeit und Förderung bedürfen. Alle zwei Jahre lässt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen solche Sozialdaten erheben. Insgesamt 436 Berliner Kieze, die im Bericht als Planungsräume bezeichnet werden, wurden durchleuchtet. Ermittelt wurde der soziale Status der Gebiete – von 1 (hoch) bis 4 (sehr niedrig). Auch die Dynamik von Veränderungen wurden erfasst unter positiv, stabil, negativ. Zentrale Indikatoren dafür waren: Hartz-IV-Bezug und weitere Transferleistungen sowie Kinderarmut. Betrachtet wurden auch weitere Faktoren wie Jugendarbeitslosigkeit, Alleinerziehende und Altersarmut.

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Siehe auch:

Die Banlieues der Hauptstadt – Berlin spaltet sich in ein reiches Zentrum und arme Ränder (Tagesspiegel, 09.06.2020)

Beschlossene Sache: Alte Hellersdorfer Straße wird neues QM-Gebiet

Hellersdorf. Hier werden Privatsender wie RTLII und Co immer fündig, wenn es darum geht, Leute vorzustellen, die vom Leben gebeutelt sind: Im Dreh um die Alte Hellersdorfer Straße wohnen vor allem arme Leute, oft bildungsfern. Nach dem jüngsten Sozialbericht des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf ist im sogenannten Planungsraum Alte Hellersdorfer Straße, einem von insgesamt 33 im Bezirk, mit 35,5 Prozent die höchste Quote an Hartz-IV-Beziehern zu verzeichnen. Mehr als die Hälfte aller Kinder unter sechs Jahren (55,4 Prozent) lebt dort von der Stütze. Auch bei den Menschen ab 50 Jahren, die sich mit Hartz IV begnügen müssem, gibt es mit 20,9 Prozent die höchste Quote im Bezirk, ausführliche Informationen hier … Am vergangenen Dienstag, 14. Januar, beschloss der Senat deshalb, das Gebiet Alte Hellersdorfer Straße in die Förderkulisse des Programms Sozialer Zusammenhalt  (bis 2019 Soziale Stadt) aufzunehmen.

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